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2 x gelesen – Carol Dweck/John Naisbitt – Mind Set

07. April 2007, 21:02 Uhr von Torsten Herrmann
Carol Dweck - Mindset Selbstbild

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich zwei Bücher hintereinander gelesen, die den gleichen Titel tragen und (scheinbar) nichts miteinander zu tun haben: Carol Dweck “Selbstbild” (englisch: Mindset – The New Psychology of Success) und John Naisbitt Mind Set!” – Wie wir die Zukunft entschlüsseln”. In beiden Büchern geht es um Denkmuster (in der deutschen óbersetzung von Carol Dwecks Buch wird dies als “Selbstbild” oder “Glaubensmuster” bezeichnet). Einmal um die Sicht auf die eigene Person in der Welt und einmal auf die Welt aus der eigenen Sicht. Carol Dweck ist US-amerikanische Psychologie-Professorin, John Naisbitt wohl das, was man einen Zukunftsforscher nennt. Bekannt wurde er mit seinem weltweiten Bestseller “Megatrends“, den ich leider nicht gelesen habe.

In Carol Dwecks Mindset geht es um die Denkmuster, die einen Menschen antreiben bzw. ausbremsen. Grob gesagt: Richtet sich jemand nach statischen oder nach dynamischen Denkmustern aus. Laut Carol Dweck gilt: “Entscheidend für die Entwicklung eines Menschen ist nicht das Talent, sondern das eigene Selbstbild”. Das klingt erstaunlich, aber anhand von Karrieren in Sport, Kunst und Wirtschaft zeigt sie, wie viel Schweiß dahinter steht und wie sehr Talent und Begabung diese Karriere behindern können. Da begabte Menschen stets für ihr Talent (und damit eigenlicht für den aktuellen Stand ihrer Entwicklung) gelobt werden, entwickeln sie leicht ein statisches Selbstbild und sind enttäuscht, wenn das Lob ausbleibt. Als Folge reduzieren sie die Leistung und weiteres Lob gehört ebenso wie die Weiterentwicklung der Vergangenheit aus. Für sie bedeutet dies, dass sie doch nicht die gewünschten, zugesprochenen natürlichen Fähigkeiten haben. Sicherlich gibt es Ausnahmen, die trotzdem sehr weit kommen. JohnMcEnroe ist dafür Carol Dwecks Standardbeispiel. Auf der anderen Seite kann ein dynamischer Glaubenssatz auch dazu verhelfen, das eigene Potential voll auszuschöpfen. Kritik ist dabei eine Hilfestellung und nicht die Bremse der Entwicklung. Diese Menschen sehen in einem Scheitern (besser wäre “Nicht-Erreichen”, denn sie sehen sich nicht als gescheitert) eher einen Hinweis, dass sie sich nicht genug angestrengt haben. Als Konsequenz daraus sieht Carol Dweck auch einen IQ nicht als gegeben, sondern nur als Hinweis für den aktuellen Stand.

John Naisbitt Mindset

In John Naisbitts Buch geht es um die Denkmuster, die er bei der Entwicklungs von Zukunftsszenarien anwendet. Er stellt die elf wichtigsten Mindsets vor, nutzt aber bei seiner Arbeit noch einige mehr. Zu diesen Mindsets zählen z. B. “Während vieles sich verändert, bleibt das meiste bestehen” oder “Dinge die wir erwarten, geschehen stets langsamer, als wir denken”. Im zweiten Teil entwirft er fünf Zukunftsszenarien und begründet sie jeweils mit den zuvor vorgestellten Mindsets. Letztlich warnt er vor überhöhten Erwartungen, für die sich erstaunlich wenige Hinweise finden. Interessant waren in dem Zusammenhang seine Hinweise auf die Angst vor der globalen Klimakatastrophe, die in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts bestand: Die weltweite Abkühlung. Heute sprechen wir von der globalen Erwärmung, die ich nicht in Zweifel ziehen will und kann, aber vor gerade mal fünfzig Jahren hat man erstaunlicherweise noch in die entgegen gesetzte Richtung gedacht. Immer wieder überrascht Naisbitt durch ungewöhnliche Ansichten und Analysen. Etwas ermüdend sind lediglich die häufigen privaten Anekdoten, in denen stets seine Frau Doris auftaucht. Aber das ist schon okay, das macht die Altersweisheit angenehm menschlich.

Für mich war es von Vorteil, die beiden Bücher hintereinander zu lesen. Es schützt davor, die Dynamik zu übertreiben, denn letztlich ist Naisbitt – neben vielem Anderen – ein Warner vor zu hohen dynamischen Erwartungen. In diesen oben von mir zitierten Mindsets gefiel er mir daher auch am besten. Bei Carol Dwecks Buch glaube ich, dass es einen starken Einfluss auf meine Denkweise haben könnte, denn jeder von uns hat statische und dynamische Denkmuster in sich, wenn sie sich bei mir auch in den vergangenen Jahren stark in Richtung Dynamik verschoben haben. Bei John Naisbitt kann ich den Einfluss nicht absehen. Sicherlich aber kommt es mir in den Sinn, wenn ich in der Beratung über Erwartungen und Befürchtungen (sozusagen die Opportunities und Threats) mit meinen Kunden rede.

Es war Zufall, dass ich die beiden Bücher in genau dieser Reihenfolge hintereinander las. Carol Dwecks-Buch hatte ich bei Robert Basic gefunden, der sich auf einen Artikel vom ehemaligen Apple-Chef-Evangelisten Guy Kawasaki bezog. Kawasakis bezieht sich zudem auf diesen Artikel aus dem Stanford Magazine, nach dessen Lektüre er das Buch gekauft hat. Bei John Naisbitts Buch war es viel unaufregender: Ich bekam es geschenkt.


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