30. April 2007, 21:53 Uhr von Torsten Herrmann
Kürzlich war ich mit meiner Tochter eine Woche in London. Dabei ist mir aufgefallen, dass in England Unternehmer eine andere Rolle spielen. An den ungewöhnlichsten Orten trifft man auf die führenden Unternehmerpersönlichkeiten: Richard Branson von Virgin, Anita Roddick von BodyShop oder Tim Waterstone von der Buchhandelskette Waterstone, dessen Umsatz ich im größten Buchladen der Welt mit sieben neuen Büchern förderte. Sie wurden zu Rittern geschlagen, ihre Bücher liegen in den Auslagen und sie finden sich bei Madame Tussauds. Dummerweise habe ich es versäumt, mich mit dem beeinduckenden Richard Branson fotografieren zu lassen.
Mir fiel mir auf, dass in Deutschland im Business-to-Consumer-Bereich nur wenige Unternehmer oder Manager mit ihrer Person für ihre Produkte werben. Der Klassiker ist Claus Hipp, der in Fernsehspots für seine Babynahrung wirbt. Ein neues Beispiel ist Dr. Z., besser bekannt als Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von DaimlerChrysler, der in den USA unter “Ask Dr. Z” für die DaimlerChrysler-Produkte wirbt. Interessanterweise ist Personality-Marketing im Business-to-Business-Bereich stärker ausgeprägt. Manager wie Henning Kagermann von der SAP AG oder Unternehmer wie Prof. Scheer von der IDS Scheer AG stehen in den Medien immer wieder für die Produkte ihrer Unternehmen. Warum stehen so wenige Unternehmer und Manager für ihre Produkte?
26. April 2007, 08:27 Uhr von Torsten Herrmann
Ich bin ja kein großer Fan von Internet-Angeboten, die ausschließlich auf sogenannten User Generated Content, d. h. die honorarfreie Erstellung von Inhalten durch eine Community setzen (sogenanntes Crowdsourcing). Die Bewertung dieser Social-Media-Angebote ist hoch, wie sich an der óbernahme YouTubes durch Google zeigte. Der User hat von seinem Beitrag bisher nichts, außer dass es ihm Spaß macht oder er auf ein großes Angebot zugreifen kann. Natürlich ist der Beitrag jedes Einzelnen infinitesimal klein und würde ohne die Plattform kaum auf Beachtung hoffen können. Trotzdem die Frage, warum die Ersteller der Inhalte so wenig davon haben. Meine Webdesigner von Zweipol haben mir gestern auch wieder bestätigt, wie viele Anfragen sie zu dem Thema bekommen. Meistens handelt es sich dabei um Klone amerikanischer Angebote, Deutsche Angebote ohne amerikanische Vorbilder haben es zudem angeblich schwierig, Investoren für ihre Angebote zu finden.
Laut Variety gibt es nun Anzeichen, dass YouTube seine User an den Werbeeinnahmen beteiligt (gefunden bei Spreeblick). Die Werbung wird dazu am Anfang und Ende in die Videos eingebaut. Voraussetzung ist natürlich, dss die Inhalte wirklich selbst erstellt wurde, was im Einzelfall problematisch sein kann. Trotzdem darf derjenige, der (noch dazu illegal) Fensehinhalte kopiert und ins Netz stellt, nicht beteiligt werden, während Leute, die mit eigenen Video-Blogs die Menschen unterhalten, profitieren sollten.
Sobald YouTube das macht, werden Wettbewerber und andere Social-Media-Angebote nachziehen müssen. Ungeklärt ist dabei, ob die Werbeindustrie überhaupt Lust auf diese neuen Platzierungsangebote hat und ob genug Geld für dieses Werbeformat verfügbar sein wird. Die USer-Beteiligung könnte zugleich das Ende einiger dieser Angebote sein. Ich frage mich ja, wie lange User noch bereits sind, honorarfrei Inhalte zu erstellen.Vielleicht wird das ja irgendwann unmodern.
Eine gute Artikelserie zu dem Thema entsteht gerade bei Cem Basman.
25. April 2007, 11:02 Uhr von Torsten Herrmann
Ich habe heute eine schöne Studie in der Computerwoche Online gefunden. Die zitierte Studie unter den 500 größten US-Unternehmen zeigt, “dass die Größe und der Wert des privaten Domizils von Vorstandsvorsitzenden im umgekehrten Verhältnis zur Kursentwicklung stehen.” Die Empfehlung der Forscher Crocker H. Liu und David Yermack: Wenn der CEO ein sehr großes Anwesen (d. h. über 920 qm Wohnfläche, was 15 Prozent vorweisen können) erwirbt, dann sollte man die Aktie verkaufen. Die Annahme besteht, dass sich der CEO hinter seinem großen Anwesen “verschanze”.
24. April 2007, 15:06 Uhr von Torsten Herrmann
Meine neueste Lieblingsstudie wurde von der Personalberatung Saaman Consultants AG durchgeführt. Demnach “enthalten gut drei Viertel aller Bewerbungsschreiben und Lebensläufe von Führungskräften eindeutige Rechtschreibfehler”. Manchmal mache ich ja auch Fehler, aber Bewerbungen mit Rechtschreibfehlern sortiere ich aus. Wer sich nicht die Mühe macht, jemanden ums Korrekturlesen zu bitten (oder als gut bezahlte Führungskraft auch zu beauftragen und zu bezahlen), oder die Kritik nicht erträgt, der wird doch in einer engen, vertrauensbasierten Zusammenarbeit wie in einer Agentur nicht zu gebrauchen sein. Mein Rekord waren übrigens mal irgendwas zwischen 15 und 20 Fehlern in einem Anschreiben. Ich habe es mit rotem Filzstift korrigiert und zurück geschickt.
In der gleichen Studie wurde auch festgestellt, dass sich inzwischen nahezu 100 Prozent (gegenüber 80 Prozent in einer früheren Studie) die Beherrschung mindestens einer Fremdsprache zutrauen. Ob jedoch die Fähigkeit wirklich gestiegen ist oder nur die Großmäuligkeit, weiß ich aus diesem Ergebnis nicht zu interpretieren.
24. April 2007, 12:11 Uhr von Torsten Herrmann
Prof. Ansgar Zerfaß von der Uni Leipzig schickte mir gestern eine Email und lud mich zum europaweiten Communication Monitor ein. Leider sehe ich die Fragen nach dem Ausfüllen nicht mehr, da man (logischerweise) doppeltes Ausfüllen verhindern will. Daher meine Eindrücke aus dem Kopf:
- In fast jeder Frage spiegelt sich das Thema Internet/Web 2.0 wider. Ich bin mir sicher, dass viele PRler hier die Anforderungen der Zukunft sehen. Mir erscheint das übertrieben, allerdings beschäftige ich mich mit diesen Themen auch möglicherweise etwas länger als viele andere.
- Auch das Thema Europa sollte nicht zu hoch aufgehängt werden. PR ist doch eher eine nationale Angelegenheit und grenzüberschreitende Kompetenzen sind immer eher rudimentär vorhanden. Zudem bin ich ja kein großer Freund von PR-Netzwerken. Bei PR-Netzwerken bekommt man die Agentur, die im Netzwerk ist. Damit mit einer gewissen (meiner Erfahrung nach hohen) Wahrscheinlichkeit inkompetente oder unsympathische Berater. Ich verstehe niemals, wieso Unternehmen ihre lokalen Niederlassungen zur Zusammenarbeit mit Netzwerk-Agenturen zwingen, statt bei dieser wichtigen Frage auf Kompetenz und Sympathie zu setzen. Schließlich soll man langfristig erfolgreich zusammen arbeiten.
- Ein interessanter Punkt war noch, ob PR und IR nicht weiter zusammen wachsen werden. Ich bin selbst in Investor Relations nur wenig erfahren, aber den Trend gibt es bestimmt. Zumal immer mehr kleine Unternehmen an die Börsen gehen und sie sich gerade außerhalb ihres Stammlands keine eigene IR-Agentur leisten. Ich habe da auch noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen.
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