AAL oder Beratungsdiebe
04. April 2007, 10:03 Uhr von Torsten HerrmannIm Internet gibt es eine Reihe sogenannter Social-Media-Seiten. Dort können angemeldete User Beiträge einstellen und so entsteht dann ein riesiges Content-Angebot. Problem dabei ist, dass der Aufbau des Contents nicht bezahlt wurde, denn all die User handeln freiwillig und kostenlos (was dann “social” genannt wird). In Blogs wird dieses Modell unter dem Begriff “AAL – Andere Arbeiten Lassen” diskutiert. Nichts desto trotz verdient das Gesamtangebot Geld mit den Inhalten, denn ohne sie wäre beispielsweise Werbung kein Geschäftsmodell. Nun wurde das erste Mal ein User abgemahnt. Die genauen Hintergründe sind noch unklar, aber es stellt natürlich einen ganzen Web-2.0-Zweig in Frage. Denn wenn der User seine Nutzungsrechte an eine Website überträgt, dann stellt sich die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, wenn die Inhalte einem Rechteinhaber (z. B. Eigentümer eines kritisierten Restaurants) nicht passen. Dazu gibt es eine neue Entscheidung des Bundesgerichtshofs über Foren (dies ist natürlich – um Abmahnern vorzukommen – keine rechtliche Beratung, sondern lediglich eine Diskussionsbeitrag zu einem bestimmten Geschäftsmodell, rechtlich gelten Social-Media-Seiten ebenso wie Blogs als Foren), wie der Law-Blogger Udo Vetter in einem Interview mit der Net-Zeitung darlegt und demnach die Verantwortung wohl im Allgemeinen beim Kommentator verbleibt:
Udo Vetter: Nein, das ist ja eine Sache des Strafrechts. Wegen Beleidigung oder ähnlichem könnte nur der Kommentator belangt werden. Gegen ihn kann dann ein Unterlassungs- und/oder Schadensersatzanspruch geltend gemacht werden. Der Forenbetreiber kann nicht strafrechtlich verfolgt werden, sondern vom Gericht nur dazu gezwungen werden, den beanstandeten Beitrag zu entfernen – das aber kostenpflichtig. (Hinweis auf dieses Zitat erstmals gefunden in der Diskussion auf der Blogbar)
Ich stehe persönlich solchen Geschäftsmodellen kritisch gegenüber und würde auch nicht für ein Unternehmen arbeiten, das vollständig nur von unentgeltlichen Beiträgen von Usern lebt. Dazu begegne ich zu oft dem, was Freunde und ich als Beratungsdiebe bezeichnen. Berater wie ich bieten nun mal immaterielle Güter an: Ideen und Strategien, die auf unserem Geist, unserer Erfahrung, unserem Know-how basieren. In der Akquise stehe ich daher immer wieder vor der Entscheidung, wie viel ich schon im Vorfeld berate und damit Leistung potentiell verschenke. Ich selbst erzähle viel in einem Erstgespräch, was aber schlicht daran liegt, dass ich keine Angst habe, dass die zwei-drei potentiell verschenkten Ideen (und sie sind ja immer sehr grob) meine letzten zu dem Kundenproblem wären. Anderenfalls dürfte es ja z. B. auch kein einziges Buch über PR, Marketing oder Vertrieb geben. In der Realität sind die Sachverhalte und die Umsetzung ja meist viel komplexer. Allerdings sind mir trotzdem all jene ein Grauen, die es genau darauf anlegen: Mir ein paar gute Ideen zu entlocken. Gerade auf Networking-Veranstaltungen begegnet man diesen Gestalten, die zwar ohnehin niemals meine Kunden werden, aber diese AAL-Einstellung geht mir auf die Nerven.





















26. April 2007 um 08:27 Uhr
[...] Ich bin ja kein großer Fan von Internet-Angeboten, die ausschließlich auf sogenannten User Generated Content, d. h. die honorarfreie Erstellung von Inhalten durch eine Community setzen (sogenanntes Crowdsourcing). Die Bewertung dieser Social-Media-Angebote ist hoch, wie sich an der Übernahme YouTubes durch Google zeigte. Der User hat von seinem Beitrag bisher nichts, außer dass es ihm Spaß macht oder er auf ein großes Angebot zugreifen kann. Natürlich ist der Beitrag jedes Einzelnen infinitesimal klein und würde ohne die Plattform kaum auf Beachtung hoffen können. Trotzdem die Frage, warum die Ersteller der Inhalte so wenig davon haben. Meine Webdesigner von Zweipol haben mir gestern auch wieder bestätigt, wie viele Anfragen sie zu dem Thema bekommen. Meistens handelt es sich dabei um Klone amerikanischer Angebote, Deutsche Angebote ohne amerikanische Vorbilder haben es zudem angeblich schwierig, Investoren für ihre Angebote zu finden. [...]