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Auf Facebook umsteigen oder die Website als Resonanzboden

27. July 2010, 14:27 Uhr von Torsten Herrmann

Facebook statt Website

In den letzten Tagen lese ich immer öfter von Überlegungen, auf eine eigene Website zu verzichten und ausschließlich auf Facebook zu setzen. Bekanntermaßen macht dies die Männerzeitschrift FHM. Das Medium hat rund 22.000 Fans auf Facebook und diese beteiligen sich auch ganz eifrig. Ich will nicht beurteilen, ob das ein vernünftiger Schritt für ein Medium oder eine B2C-Marke ist. Eine ausführliche Analyse findet sich bei “Sebastian Cario/Ecario“, der zu einem negativen Urteil kommt.

B2B-Webseiten vs. Facebook

Für ein B2B-Unternehmen hielte ich so einen Schritt jedoch für einen schwerwiegenden Fehler. Nachfolgend die sechs Gründe gegen einen Umstieg auf Facebook-Fanpages. Websites sind meines Erachtens ein mächtiges Vertiebs-Instrument, in das die meisten Unternehmen eher zu wenig Zeit und Geld investieren als zu viel.

Unabhängigkeit

Niemand weiß, was Facebook (oder jeder anderen Social-Media-Plattform) morgen einfällt, um seine Besucher zu monetarisieren. Welches Unternehmen will das seinen Kunden antun?

Struktur

Die Vorgängerversion dieser Website – damals waren die Möglichkeiten von WordPress noch beschränkt – hatte ich unter dem Credo “Alles Content” sehr einfach strukturiert. Alles – oft Presseinfos der Kunden, meine Blog-Beiträge oder auch Glossar-Einträge – lief in einer einzigen Timeline untereinander zusammen. Anders ging es auch nicht, da vor allem Unterseiten zu Pages nicht möglich waren. Letztlich gab es nur (wenn ich mich recht entsinne) Kategorien als Filter. Wenn ich heute eine Seite aufbauen will, in der ich verschiedenartige Inhalte anbieten will, brauche ich eine Seitenstruktur. Nur über eine Timeline zu strukturieren, führt zu Chaos. Das weiß ich leider aus eigener Erfahrung. Das bedeutet, dass ich die Struktur kontrollieren muss. Denn ein einmaliges, zeitlich beschränktes Auftauchen in der Timeline gewichtet zwischen den einzelnen Posts nicht und das aus der eigenen Sicht (oder der Sicht des Kunden) wichtigste ist zu schnell aus der Sicht der potentiellen Kunden verschwunden.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinenoptimierung gibt man vollkommen auf damit. Landing Pages gibt es auch nicht, worunter die Vertriebsunterstützung der eigenen Site leidet.

Vertriebsorientierung

Ziel jeder Lead-Generation-Strategie online muss es sein, den potentiellen Kunden nach seinen Bedürfnissen im Sinne eines Lead-Nurturings zu betreuen. Ein Behavioural Targeting, also das automatische Anpassen der Seiteninhalte an den Besucher, wird ohnehin nicht möglich sein. Aber auch jede andere Quernavigation (verwandte Beiträge, Kategorien, Tags) ist nicht anwendbar. Natürlich kann man Ressourcen wie Whitepaper oder Webcasts extern verlinken, aber das ganze bleibt chaotisch.

Fans sind Wettbewerber

Kunden wie auch potentielle Kunden sind untereinander mitunter Wettbewerber. Sie werden sich weder als Fans “outen” wollen, gerade wenn die Updates nur für Fans sichtbar sind. Noch werden sie offen im Beisein ihrer Wettbewerber mit dem Anbieter in Dialog treten wollen. Jeder einzelne Kommentar und jedes einzelne “Gefällt mir” könnte einen Rückschluss auf aktuelle Projekte erlauben.

Analyse

Es gibt wohl Möglichkeiten, eine Facebook-Fanpage über Google Analytics oder auch andere Web-Analytics-Lösungen zu überwachen, aber ideal erscheint mir das nicht. Auch hier stört wiederum die Abhängigkeit. Nicht zu vergessen ist, dass diese Daten demnächst auch nicht mehr kostenfrei sein könnten.

Die B2B-Website als Resonanzboden

Alles in allem steht für mich fest: Für ein B2B-Unternehmen gibt es keinen Grund, seine Website aufzugeben. Sie ist der Resonanzboden für alle Aktivitäten des Unternehmens im Netz. So wie dieses Holzstück die Schwingungen der Saiten in einem Klavier verstärkt, so soll der Eindruck des Besuchers, der über Social Media, über Suchmaschinen oder direkt auf die Seite kommt, hier verstärkt werden. Damit er wieder kommt und betreut werden kann, bis eine Entscheidung ansteht. Dabei kann Social-Media eine Rolle spielen. Deshalb ganz auf diese Kanäle zu wechseln, ist dennoch kontraproduktiv.

Natürlich kann man eine Fanpage parallel betreiben. Ich habe selbst eine. Aber bitte nicht vollständig auf Facebook umsteigen.

Gibt es weitere Gründe als diese sechs?

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Dieser Eintrag wurde am 27. July 2010 um 14:27 Uhr geschrieben und ist unter gelistet. Sie können alle Einträge über den RSS 2.0 Feed abbonieren. Sie können einen Kommentar posten.


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