Einnahmemodell für StudiVZ und andere Studentenverzeichnisse
19. December 2006, 16:13 Uhr von Torsten HerrmannIn der ganzen Diskussion um StudiVZ kommt immer die Frage auf, wie das Studentenverzeichnis eigentlich Geld verdienen soll. Dabei geht es immer wieder um Google-AdWords und andere Werbeformen. Ich bin kein Spezialist für Bannervermarktung, aber von allem was ich weiß, ist das kaum ein tragfähiges Modell um 50 und mehr Mitarbeiter zu finanzieren. Aber ich stelle im folgendem Mal ein kleines Konzept vor, wie Studentenverzeichnisse Umsatz erzielen können.
Zunächst muss man sich einmal vor Augen führen, wie volatil die Zielgruppe “Studenten” per se ist (abgesehen von den Flüchtigkeit von Community-Usern überhaupt). Bei heutigen BA und Master-Studiengängen fallen wahrscheinlich 90 Prozent der User nach 3 bis 5 Jahren aus der Zielgruppe wieder heraus. Eingerechnet, das man ein Jahr braucht, bis man sich heimisch fühlt und ein Jahr noch nostalgisch hin und wieder das Online-Studentenverzeichnis aufruft, bis die Freunde auch den Abschluss geschafft haben.
Außerdem ist die Zielgruppe “Studenten” per se sehr eng begrenzt, da dazu nun mal nur ein paar Prozent der Gesellschaft gehören. Exponentielles Wachstum ist damit per se über mehrere Jahre betrachtet unmöglich. Statt dessen werden die Karteileichen mit den Jahren kontinuierlich anwachsen, da es ja auch nicht weh tut (den meisten zumindest) registriert zu bleiben. Ohne starken Ausbau des Funktionalitätsumfangs werden also die Zugriffszahlen und die Verweildauer mehr oder stagnieren.
Die Verbreiterung der Zielgruppen auf Nicht-Studenten (Alumnis) ist daher eine Möglichkeit, wenn die Rechnungen der Werbefinanzierung überhaupt einigermaßen aufgehen sollen. Im Ergebnis bleibt es mir das jedoch vollkommen unklar.
Grundfehler bei den Konzepten für Community-Angebote sind meines Erachtens die Annahmen über die Wechselkosten und die Netzwerkeffekte. Bei den Wechselkosten geht man davon aus, dass der Wechsel auf einen anderen Anbieter anstrengend ist und der Anwender sich doch an die schöne Plattform gewöhnt hat. Dieses Argument zieht nicht (wie schon in der ganzen New Economy nicht), da man überhaupt nicht wechseln muss: Man meldet sich einfach noch bei einer anderen Plattform an und teilt gegebenenfalls die Ressource Online-Zeit unter mehreren Angeboten auf. Die zweite Annahme sind die Netzwerkeffekte, d. h. dadurch dass viele Leute ein Angebot nutzen, können die Anwender nicht wechseln bzw. müssen dazugehören. Dieses Argument stimmt bedingt, meines Erachtens jedoch nur für die Heavy-User. Für alle anderen reicht es sich anzumelden und auffindbar zu sein. Die Kommunikation läuft über andere Kanäle (Email, VoIP, Instant Messenger). Eine Website-gestützte Kommunikation ist unter anderem aufgrund ihrer Exklusivität zu aufwändig. Diese Annahmen wurden schon in der New Economy gemacht und wurden damals schon von Michael E. Porter in Harvard Business Review – Advances in Strategywiderlegt.
Letztlich fallen also Werbung und Gebühren-Modelle à la OpenBC/XING für Studentenverzeichnisse weg (Inwieweit sie bei diesen Social Networks ausreichen, sei hier mal dahingestellt), da Studenten die Mittel fehlen oder kostenlose Angebote (Myspace, OpenBC/XING) nutzen werden.
Was bleibt also? StudiVZ oder andere Studentenzeichnisse müssen sich zu Kontaktbörsen zwischen Studenten und Unternehmen wandeln. Mir ist unerklärlich, warum es getrennte Seiten für Praktikaangebote oder die verschiedenen Jobmessen gibt. Gerade für gesuchte Studienabschlüsse wie in den Ingenieurswissenschaften, Informatik und mit leichten Abstrichen Wirtschaftswissenschaften sowie allen Hochqualifizierten wäre es ein spannender Weg für Unternehmen, um mit Absolventen in Kontakt zu kommen. Ich bezweifle, dass die unerfahrenen Gründer bisher in diese Richtung denken. Sie scheinen mir zu sehr dem Masse-Ansatz verhaftet.
Ich hätte dazu eine Reihe von Ideen, die ich jedoch nicht ausbreiten werde (das verbietet mir meine Beratermentalität). Die Schattenseite dieser Entwicklung ist natürlich, dass ein Profiling über die Aktivitäten innerhalb des Studentenverzeichnisses ungeahnte Möglichkeiten bieten würde. Dann würden jedoch Studenten, die sich in zweifelhaften Diskussionsgruppen engagieren, ihre Jobaussichten massiv reduzieren.























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