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Gelesen: Marcel Bernet – Medienarbeit im Netz

21. August 2006, 12:24 Uhr von Torsten Herrmann
Medienarbeit im Netz

Jahrelang blieb es ein Mysterium für mich: Was soll diese Wortkreation “Online-PR”? Alle Bücher zu dem Thema erzählten immer von großen Revolutionen, nur eigentlich hatte sich im PR-Bereich durch das Internet recht wenig verändert. Klar, Presseinformationen wurden auch über Email oder über einen Pressebereich auf der Website des Kunden oder der Agentur verteilt. Auch gab es Journalisten, die für Online-Publikationen arbeiteten und daher kürzer und knapper schrieben. Zudem konnte man z. B. über einen óberwachungsdienst wie Newsradar Online-Clippings einsammeln. Aber eine Revolution war das meines Erachtens nicht. Wir PR-Leute pushten weiterhin Informationen an unsere Dialoggruppen und hielten Informationen etwas einfacher bereit als zuvor.

In den vergangenen Monaten hat sich jedoch wirklich einiges verändert. Mit Blogs, Wikis oder Social Bookmarking sind neue interaktivere und Nutzer-bestimmte Medien und Verteilwege entstanden, mit neuen Instrumenten wie Podcasts oder auch Blogs und Wikis wird in der PR-Arbeit experimentiert. An vielen Stellen wird die Kontrolle über Inhalte zunehmend aufgegeben, über Kommentarfunktionen Dialog geschaffen oder die Verbreitung um Pull-Mechanismen wie RSS erweitert.

Gerade die Wahrnehmung von Google hat sich im PR-Bereich geändert. Vielleicht sehe ich das auch stärker als die meisten Mitbewerber, da ich mich intensiv mit der Suchmaschinenfreundlichkeit dieses Weblogs beschäftigt habe. Für mich entwickelt sich Google zu einer Art von Dialoggruppe. Im Gegensatz zu Journalisten bewertet Google Inhalte anhand automatischer Algorithmen, aber letztlich spreche ich als PR-Berater potentielle Kunden meiner Kunden vermittelt über “die Dialoggruppe” Google an. Insofern wird Suchmaschinenmarketing für Public Relations immer wichtiger. Tagging – ich vergebe z. B. Stichworte für jeden Beitrag der unter chainrelations.de erscheint – ist ein wunderbares Beispiel, wie Inhalte den Kunden gezielter über Google erreichen können.

Ein sehr gutes Handbuch zu diesen Themen hat Marcel Bernet, Inhaber einer Schweizer PR-Agentur und Dozent für Public Relations geschrieben: Medienarbeit im Netz- von E-Mail bis Weblog: Mehr Erfolg mit Online-PR. Meine Ausführungen oben gehen jedoch schon etwas über die Buchinhalte hinaus. Social Bookmarking z. B. kommt in dem Buch nicht als Instrument vor. Zudem bleibt es stark auf der operativen Ebene, strategische Fragen, warum und wann z. B. ein Wiki geeignet ist, werden nur am Rande behandelt. Sie lassen sich aber auch schwerlich allgemein in ein Buch fassen und sind letztlich ein Grund, warum man strategische PR-Berater braucht. Auch früher machte ein Verteiler noch keine erfolgreiche PR. Insofern bleibt das Buch ein idealer Einstieg für PR-Leute, die sich die Möglichkeiten der New-PR erschließen wollen. Und jedem, der noch mehr wissen will, sei der PR-Leitfaden von Shift Communication ergänzend empfohlen.


2 Kommentare zu “Gelesen: Marcel Bernet – Medienarbeit im Netz”

  1. marcel bernet schrieb:

    guten tag thorsten hermann, danke für die rezension. stimmt: social bookmarking fehlt ganz, ist aus meiner sicht noch zu wenig relevant für den deutschsprachigen raum. aber diese einschätzung ist ganz unwissenschaftlich subjektiv – vielleicht überholt mich die realität in diesem bereich schneller, als ich denke! sehr gut finde ich die aussage, dass google eine dialoggruppe darstellt, stimmt. könnte ich buch auch länger behandelt werden. Übrigens habe ich mich darauf fokussiert, zu jedem instrumennt entscheidungsgrundlagen für den einsatz zu geben, auch fuer wikis. in der rezension steht, dass das fehlt. hier zwei auszüge aus dem buch zur verifikation: http://www.bernet.ch/filechute/forchainrelations.pdf

  2. Torsten Herrmann schrieb:

    Hallo Herr Bernet, danke für den Kommentar. Sie haben Recht, ich habe zu streng geurteilt. Empfehlenswert ist Ihr Buch ohnehin. Danke auch für den verlinkten Buchausschnitt.

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