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Kommunikative Konsequenzen von Social Commerce und finanzieller Beteiligung der User

08. May 2007, 10:05 Uhr von Torsten Herrmann

Ich bin kein großer Freund von Geschäftsmodellen, die darauf basieren, dass möglichst viele User kostenlos Content beitragen und nichts davon haben außer der Befriedigung ihres Selbstdarstellungsdrangs, Spaß und ein paar neuen Kontakten. Mich erinnert das zu stark an die Beratungsdiebe, auf die ich als Berater immer mal treffe. Nun gibt es mit Shoppero eine Shopping-Seite, die User an ihren Einnahmen beteiligt. Die Aussagen über die Höhe werden in Blogs diskutiert. Stellvertretend sei das Blog von Markus Angermeier/Kosmar genannt. Ich will nicht darauf eingehen, ob die Beteiligung ausreichend ist, auch wenn meist Größen verglichen werden, die wenig vergleichbar sind. Den diskutierten rund 20 Prozent Beteiligung (die meisten Geschäftsmodelle wären nicht in der Lage, zusätzliche 20 Prozent in ihrer Kalkulation aufzubringen) müssten schließlich die gesamten Kosten entgegen gestellt werden u. a. für Traffic, Server, Büros, Marketing, Mitarbeiter, Rücklagen sowie der berechtigte Gewinn. Wieviel dann übrig bleibt, ist noch die Frage. Dass es überhaupt eine so agierende Firma gibt, finde ich schon mal positiv. Mich interessieren jedoch viel mehr die Konsequenzen für die Kommunikation, die ein solches Geschäftsmodell mit sich zieht.

Sobald die Beteiligung auf unklaren Faktoren basiert, wird das gesamte Geschäftsmodell in der óffentlichkeit diskutiert. Wenn Amazon für einen konkreten Verkauf eine Beteiligung von 5 Prozent gibt, ist das eine klare Beteiligung, auf die man sich einlassen kann oder nicht. Der Prozentsatz ist zwar nicht besonders hoch und würde kaum einen Vertriebsmann außer für Großanlagen zur Arbeit motivieren, aber die Abrechnungsbasis Buchpreis ist eine klare Basis. Hängt jedoch die Berechnung an Faktoren wie Verlinkung, Visits oder Werbeeinnahmen, wird es schwer kalkulierbar und damit diskussionswürdig.

Beteiligt also ein Unternehmen seine User für den “generated Content” entsprechend dieser Faktoren, so wird das Geschäftsmodell detailliert diskutiert und beleuchtet. Die Kommunikationsstrategie der konsequenten Offenheit, mit der ein Unternehmen darauf reagieren muss, werden wenige Unternehmer schätzen. Die Offenlegung der Kostenstrukturen wird die Angreifbarkeit zudem nicht verringern. Der Start wird also schwierig und ob man so über den frühen Markt hin zu einem Mainstreammarkt kommt, ist eine echte Herausforderung.

Beteiligt ein Unternehmen seine User jedoch nicht, gilt es zwar möglicherweise beim einen oder anderen als unehrenhaft (viele Leute sind da nicht so kritisch), aber zumindest muss das Unternehmen sein Geschäftsmodell nicht detailliert diskutieren und darstellen. Nichts desto trotz zweifle ich daran, ob diese Geschäftsmodelle langfristig funktionieren werden. Die Abhängigkeit von den Usern, die selbst volatil schnell zur nächsten Mode-Plattform wechseln können, sowie die Abhängigkeit von der (damit sinkenden) Aktualität der Beiträge kann so einem Geschäftsmodell sehr schnell schaden. Stete Innovationen sind daher unabdingbar, um das Angebot interessant zu halten.

Wäre der Anbieter also kein Unternehmen sondern beispielsweise eine Non-Governmental-Organisation wäre die Problematik wohl deutlich geringer. Die Offenlegung des Geschäftsmodells wäre nicht so problematisch, weil es ja für einen guten Zweck statt fände.

Es ist also eine Crux, obwohl es doch so gut gemeint ist.


Ein Kommentar zu “Kommunikative Konsequenzen von Social Commerce und finanzieller Beteiligung der User”

  1. Adgets: Keep it simple, stupid! « Sprechblase schrieb:

    [...] Adgets: Keep it simple, stupid! Veröffentlicht 8. Mai 2007 UGCV , UGC , Crowdsourcing , Wirtschaft Torsten Herrmann von chain relations diskutiert kommunikative Konsequenzen von Social Commerce und finanzieller Beteiligung der User am Beispiel von shoppero: Sobald die Beteiligung auf unklaren Faktoren basiert, wird das gesamte Geschäftsmodell in der Öffentlichkeit diskutiert. Wenn Amazon für einen konkreten Verkauf eine Beteiligung von 5 Prozent gibt, ist das eine klare Beteiligung, auf die man sich einlassen kann oder nicht. Der Prozentsatz ist zwar nicht besonders hoch und würde kaum einen Vertriebsmann außer für Großanlagen zur Arbeit motivieren, aber die Abrechnungsbasis Buchpreis ist eine klare Basis. Hängt jedoch die Berechnung an Faktoren wie Verlinkung, Visits oder Werbeeinnahmen, wird es schwer kalkulierbar und damit diskussionswürdig. [...]

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