Privatheit und “Web 2.0″
15. November 2006, 18:19 Uhr von Torsten HerrmannBei den weiter wachsenden Communities, die dem “Web 2.0″ zugerechnet werden, steht derzeit vor allem StudiVz, eine Online-Studenten-Community, in der Kritik. Die Vorwürfe lauten unter anderem Domaingrabbing, Abkupfern beim amerikanischen Vorbild Facebook und vor allem die privaten Äußerungen und Aktionen (z. B. die Online-Veröffentlichung einer Partyeinladung im Stil des Nazi-Mediums Völkischer Beobachter) von einem der Firmengründern. Da Holtzbrink Ventures in das Unternehmen investiert hat und über einen Verkauf an das US-amerikanische Original Facebook spekuliert wird, stört diese Kritik die Bewertung des Unternehmens wohl erheblich. Nachlesen kann man das inzwischen beispielsweise auf Spiegel Online, im Blog von Karsten Wenzlaff oder am zentralen Ort der Kriktik in der Blogbar. Inzwischen und viel zu spät entschuldigt sich der Firmengründer für seine Fehler im Unternehmens-Blog.
Bei der ganzen Diskussion frage ich mich: Alles soll immer sehr kuschelig erscheinen, alle mögen sich, der Firmengründer dreht kleine Videos und veröffentlicht sie auf Youtube, nur: Was hat das mit professioneller Unternehmenskommunikation zu tun? Warum muss die eigene Privatheit – die ja in all diesen Communities ohnehin immerzu in Frage gestellt wird – auch noch als Teil der Firmenkultur herhalten? Macht man sich damit nicht viel zu anfällig für Kritik (im vorliegenden Fall sicherlich zu Recht)?
Als PR-Mann würde ich das bei keinem Kunden sehen wollen, zumal nicht wenn es um ein Unternehmen geht, das verkauft oder möglicherweise an die Börse gebracht werden soll. Da will ich “Blut, Schweiß und Tränen”-Geschichten sehen. Da will ich, dass die Gründer 20 Stunden pro Tag arbeiten und sich ausschließlich von Pizza ernähren. Aber da will ich nichts von Partys lesen oder selbstgedrehte Videos mit vom Firmengründer angequatschen, weiblichen Partygästen im Internet sehen. Der ganze Kuschelquatsch ist einfach nicht angemessen, hier geht es ums Geschäft. Auch der “Wir-für-Euch”-Ansatz, der so tut, als hätten da ein paar Studenten was für Studenten gemacht, ist aufgrund der amerikanischen Vorbilder nicht sehr glaubwürdig. Die Geschichte müsste doch heißen, da haben ein paar Studenten ihr Studium Studium sein lassen und ein Geschäft aufgezogen, für das sie 20 Stunden am Tag arbeiten und es halt besser machen als alle Studenten, die so eine Chance sehen, aber nicht wahrnehmen.
Letztlich aber frage ich mich vor allem: Warum haben die keinen Kommunikationsberater, der dieses PR-Desaster wenn schon nicht mehr verhindern, so doch zumindest hätte vermindern können.























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