10. November 2008, 17:21 Uhr von Torsten Herrmann
Prof. Holger Rust schreibt bissige Kolumnen im Harvard Business Manager. In der Ausgabe 10/2008 nimmt er sich Richard Florida und seine Theorie der kreativen Klasse vor. Ihre Mitglieder lassen sich anhand der drei T (Talent, Toleranz und Technologieaffinität) erkennen. Schaut man sich die zugehörigen Berufe an, gehöre ich dazu. Prof. Rust setzt der Theorie die 3 P entgegen: Produktivität, Patente und Provinz. Denn dort wird das Geld verdient. Die Mehrzahl unserer Kunden finden sich nicht in den Großstädten, sondern in Gelnhausen, Bad Wildungen und Wöllstadt bei Friedberg. Allesamt nicht gerade hippe Städte voller Kunst, Kultur und Nachtleben. Auch zahlreiche Hidden Champions, also die wenig bekannten (Nischen-)Marktführer, finden sich eher in kleinen Orten fernab der Metropolen. In Berlin hingegen warten immer noch viele, dass sich die Zugehörigkeit zur kreativen Klasse auszahlt und sie auch irgendwann mal größere Kunden vor Ort gewinnen können.
22. November 2006, 08:44 Uhr von Torsten Herrmann
Rise of the Creative Class
von Richard Florida ist das spannendste Wirtschaftsbuch, das ich seit langem gelesen habe. Auch wenn es mit meinem Beratungsbereich kaum praktische Relevanz hat (dachte ich zumindest bis zu einem Kundengespräch gestern).
“The distinguishing characteristic of the Creative Class ist hat its members engage in work whose function is to “create meaningful new forms”. I define the Creative Class as consisting of two components. The Super-Creative Core of this class includes scientists and engineers, university professors, poets and novelists, artists, entertainers, actors, designers and architects as well as the thought leadership of modern society: nonfiction writers, editors, cultural figures, think-tank researchers, analysts or other opinion makers. (…) Beyond this core group, the Creative Class also includes “creative professionals” who work in a wide range of knowledge-intensive industries such as high-tech sectors, financial services, the legal and health care professions, and business management.” (Seite 68 – 69)
Richard Florida arbeitet heraus, dass sich die Creative Class eher an Städten bzw. Regionen denn an Staaten orientiert. Gründe sind die Verteilung der 3-T: “Technology Talent, and Tolerance” (Seite 249). Zentrale Maßstäbe für Tolerance sind die Offenheit gegenüber Einwanderern und Homosexuellen. Ich weiß nicht, ob es eine vergleichbare, genaue Untersuchung für Deutschland gibt, aber hier scheint mir die Verteilung unklarer zu sein. Während München beispielsweise den größten Teil der IT-Industrie beherbergt, gilt die Stadt wohl nicht als besonders tolerant. Berlin mit seiner hohen Arbeitslosigkeit wird wohl als kreativ gelten, aber diese Kreativität zieht keine Arbeitsplätze an. Frankfurt ist sicherlich bei Toleranz sehr weit oben, aber im Bezug auf Talent und Technologie eher im Mittelfeld zu finden. Sicherlich tut Frankfurt auch die Konzentration auf den Finanzsektor nicht gut, denn ein Arbeitsplatzaufbau ist in diesem Sektor wohl nicht zu erwarten.