Wortduell im Plural
21. February 2007, 17:02 Uhr von Torsten HerrmannAnlässlich des heutigen Internationalen Tags der Muttersprache eine kleine Geschichte:
Gestern geriet ich über mehrere Emails hinweg in eine kleine Auseinandersetzung über die Frage, ob in einem Satz ein Verb im Singular oder im Plural zu verwenden ist. Mein Kontrahent auf Kundenseite, mit dem ich bis dahin noch nichts zu tun hatte, outete sich in der dritten Email als Germanist und Linguist. Ab da war meine Argumentationsbasis als Diplom-Kaufmann vielleicht etwas schlechter.
Mein Vorschlag (inhaltlich leicht verändert, strukturell aber gleich):
Der Grad an Partizipation, xxx (eingeschobener Relativsatz), und damit die Effektivität jedes Mitarbeiters werden gesteigert.
Das war mein Vorschlag, den ich mir auch bei der Duden-Sprachberatung als richtig bestätigen ließ.
Sein Vorschlag:
Der Grad an Partizipation, xxx (eingeschobener Relativsatz), und damit die Effektivität jedes Mitarbeiters wird gesteigert.
Daran also entspann sich die Auseinandersetzung zwischen zwei sensiblen Sprachgemütern. Seine Erläuterung war die folgende:
(1) Bei komplexen Satzkonstruktionen ist es aus meiner Erfahrung immer ratsam, diese in ihre Bestandteile aufzulösen. Damit kommen wir zu den folgenden Sätzen:
(2a) Der Grad an Partizipation wird gesteigert.
(2b) Die Effektivität jedes Mitarbeiters wird gesteigert.In den Beispielen (2a) und (2b) dürfte Ihnen jeder Linguist (und somit auch die Duden-Sprachberatung) bestätigen, dass diese korrekt formuliert sind. Was passiert nun, wenn (2a) und (2b) kombiniert werden?
(3a) Der Grad an Partizipation, welcher gleichbedeutend mit der Effektivität jedes Mitarbeiters ist, wird gesteigert.
(3b)* Der Grad an Partizipation und auch die Effektivität jedes Mitarbeiters wird gesteigert.Bei (3a) haben wir vermutlich das gleiche Verständnis, hier ist ein “wird” wohlklingend, hingegen bei (3b) handelt es sich um eine markierte Form, es muss aufgrund des Aufzählungscharakters der Plural verwendet werden.
Die Form “und damit” bedeutet im strittigen Satz (1) jedoch dasselbe wie in (3a), weshalb der Singular Verwendung finden muss.
Ich glaube, wir bewegen uns hier in den spannenden Feinheiten der deutschen Sprache. Ich bin noch immer nicht überzeugt, dass mein Vorschlag falsch ist. Ich glaube ja, dass es trotz des “damit” eine Aufzählung ist und bei Aufzählungen muss das Verb im Plural kommen.
Wir haben uns geeinigt. Auf seine Version.





















14. April 2008 um 21:02 Uhr
Sehr interessant! Das “damit” drückt meines Empfindens einen Bezug auf den ersten Satzteil (also den Grad der Partizipation) aus. Deshalb steht der zweite Teil (die Effektivität…) nicht mehr als eigenständiger, gleichberechtigter Part neben dem ersten, sondern sozusagen als “abhängiger”.
Diese Interpretation weiterführend, wäre der erste Teil der “höherrangige” und singulär ausschlaggebende und deshalb das Verb im Singular zu verwenden. So sagt mir mein Sprachgefühl.
Ich bin gelernte Verlagskauffrau und studierte Sonderschullehrerin, wo allerdings bei den geistig behinderten Kindern, die ich unterrichte, derartige Fragen kaum relevant werden dürften… Anita
14. April 2008 um 22:28 Uhr
Inzwischen folge ich dieser Erklärung, wenn man auch ständig sehr gut aufpassen muss, um da keinen Fehler zu begehen.