Warum der Challenger Customer entscheidend ist
Nach dem Bestseller „The Challenger Sale“ von Matthew Dixon und Brent Adamson folgt mit „The Challenger Customer“ die logische Weiterentwicklung. Während der erste Ansatz den Verkäufer in den Mittelpunkt stellte, geht es hier um den Kunden – genauer gesagt um jene Personen im Buying Center, die den Unterschied zwischen einem verlorenen Deal und einem erfolgreichen Abschluss ausmachen können.
Die zentrale These: Im modernen B2B Sales scheitern Deals selten an der Qualität von Produkt oder Service, sondern daran, dass Vertriebsteams die falschen Ansprechpartner ins Zentrum ihrer Bemühungen stellen. Statt sich auf die freundlichsten Kontakte oder die am leichtesten zugänglichen Personen zu konzentrieren, sollten Verkäufer:innen gezielt jene Hidden Influencer suchen, die echten Einfluss auf den Entscheidungsprozess haben.
Genau das ist die Idee von „The Challenger Customer: Selling to the Hidden Influencer Who Can Multiply Your Results“. Dieses Konzept beschreibt, wie Unternehmen nicht nur die Zustimmung einzelner Personen gewinnen, sondern im gesamten Buying Center Konsens schaffen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Was den Challenger Customer ausmacht,
- welche Rolle Hidden Influencer im Kaufprozess spielen,
- wie Dixon, Adamson, Pat Spenner und Nick Toman dieses Konzept im Anschluss an The Challenger Sale entwickelt haben,
- und warum die Suche nach dem richtigen Kundenkontakt oft entscheidender ist als jede Präsentation oder Demo.
Damit stellt The Challenger Customer nicht nur eine Ergänzung dar, sondern einen mutigen neuen Ansatz im Vertrieb, der jahrzehntelange Annahmen im Vertrieb auf den Kopf stellt.
Definition & Ursprung des Challenger Customer
Der Begriff Challenger Customer stammt aus dem Buch „The Challenger Customer: Selling to the Hidden Influencer Who Can Multiply Your Results“ von Matthew Dixon, Brent Adamson, Pat Spenner und Nick Toman. Es ist eine Art Nachfolger von „The Challenger Sale“, das die Welt des B2B Sales mit einem radikal neuen Blick auf erfolgreiche Verkäufer:innen verändert hat.
Während im Challenger Sale der Fokus auf der Rolle des Verkäufers lag – also wie Vertriebsmitarbeiter durch gezielte Provokation und neue Einsichten den Status quo von Kunden in Frage stellen können – verschiebt The Challenger Customer die Perspektive. Hier geht es nicht mehr um den Verkäufer, sondern um den Kundenkontakt, der den internen Entscheidungsprozess prägt.
Die Idee des Hidden Influencers
Im Kern geht es um die Identifizierung des „hidden influencer“ der Ihre Ergebnisse vervielfachen kann – also jener Person im Buying Center, die zwar oft nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, aber entscheidenden Einfluss hat. Diese Challenger Customers sind in der Lage, Diskussionen intern voranzutreiben, Konsens zu schaffen und Skeptiker zu überzeugen.
Ursprung bei CEB Research
Die Autoren stützen sich auf umfangreiche Untersuchung darüber, was erfolgreiche Verkäufer anders machen, durchgeführt von der CEB Sales Leadership Council (heute Teil von Gartner). Ihre Analyse zeigte:
- Verkäufer:innen sprechen häufig mit den falschen Kontakten – etwa mit Personen, die zwar freundlich sind, aber keine Entscheidungsgewalt haben.
- Deals werden wahrscheinlicher gewonnen, wenn man die Challenger Customer identifiziert, die intern den Entscheidungsprozess steuern.
- Es reicht nicht, eine einzelne Person zu überzeugen – es braucht einen Multiplikator, der intern den Konsens vorantreibt.
Autoren und Einfluss
Neben Matthew Dixon und Brent Adamson wirkten auch Pat Spenner und Nick Toman maßgeblich an der Entwicklung des Konzepts mit. Gemeinsam stellten sie mit The Challenger Customer ein Handbuch vor, das Praktiken liefert, die Unternehmen helfen, Konsens im Buying Center aufzubauen und so komplexe Deals im B2B-Vertrieb voranzutreiben.
Die Kernelemente des Challenger Customer-Ansatzes
Der Challenger Customer-Ansatz baut auf denselben Erkenntnissen auf wie The Challenger Sale, erweitert sie jedoch entscheidend: Statt nur die Rolle des Verkäufers zu analysieren, richtet er den Blick auf die Strukturen im Buying Center.
- Der richtige Ansprechpartner ist entscheidend
Oft orientieren sich Sales-Teams an den freundlichsten oder am besten zugänglichen Kundenkontakten. Stattdessen sollten sie sich an einem Ideal Customer Profile orientieren und innerhalb dieser Zielaccounts gezielt nach dem Challenger Customer suchen, der intern wirklich Einfluss hat. Doch diese „Beziehungspfleger“ sind meist nicht in der Lage, intern einen Deal durchzusetzen. Stattdessen gilt es, den hidden influencer der Ihre Ergebnisse vervielfachen kann zu finden – den Challenger Customer, der intern als Meinungsführer auftritt und Konsens erzeugen kann.
- Selling to the hidden influencer
Der Untertitel des Buches – “Selling to the Hidden Influencer Who Can Multiply Your Results” – verdeutlicht das Kernprinzip:
– Statt den gesamten Fokus auf Produktpräsentationen oder Rabatte zu legen, sollten Verkäufer lernen, jene Personen zu identifizieren, die innerhalb des Buying Centers echte Überzeugungskraft haben.
– Diese internen Challengers helfen dabei, skeptische Stakeholder ins Boot zu holen und die Kaufentscheidung zu beschleunigen. - Konsens statt Einzelentscheidung
Die Forschung der Autoren zeigt: In modernen B2B Sales-Prozessen reicht es nicht aus, eine einzelne Person zu überzeugen. In komplexen Deals sind oft sechs bis zehn Entscheidungsträger involviert. Nur wer es schafft, über den Challenger Customer Konsens zu erzeugen, kann den Deal zum Abschluss bringen.
- Ein Umdenken im Vertrieb
Der Ansatz bricht mit alten Annahmen. Jahrzehntelang galt die Weisheit, dass enge Beziehungen zu den „freundlichsten“ Kundenkontakte der Schlüssel seien. Doch laut den Autoren hat The Challenger Sale jahrzehntelange gängige Meinungen mit einem mutigen neuen Ansatz im Vertrieb auf den Kopf gestellt – und The Challenger Customer geht diesen Weg weiter. Erfolgreiche Verkäufer fokussieren sich nicht auf Zugänglichkeit, sondern auf Einfluss.
- Werkzeuge für die Praxis
Das Buch liefert konkrete Praktiken, die Sales-Teams helfen, Challenger Customers zu identifizieren und für sich zu gewinnen:
– Mapping des Buying Centers
– Analyse, wer im Entscheidungsprozess die größte Glaubwürdigkeit genießt
– Nutzung fundierter Customer Insights, um Argumente und Content exakt auf die internen Pain Points und Entscheidungslogik des Buying Centers zuzuschneiden.“
– Gespräche, die Kunden befähigen, ihre eigenen Kollegen herauszufordern
– Nutzung von Content und Insight Selling, um den Challenger Customer mit starken Argumenten auszustatten
Der Mobilizer ist ein spannendes Konzept, aber die Realität zeigt: Selbst Mobilizer sind eingebettet in interne Dynamiken, politische Allianzen und Budgetlogiken. Wenn Sie nicht nur den Mobilizer erkennen, sondern die gesamte Entscheidungslogik in einem Unternehmen entschlüsseln möchten, scrollen Sie einfach nach unten. Dort können Sie einen Termin buchen – und wir gehen durch, wie solche Gruppen wirklich funktionieren und wie Sie Ihre Deals stabiler machen.
Praxisbeispiele für den Challenger Customer im B2B
Um die Theorie des Challenger Customer greifbarer zu machen, lohnt sich ein Blick auf typische Szenarien im B2B-Vertrieb. Hier zeigt sich, wie das Konzept in der Praxis funktioniert und warum es Verkäufern hilft, die richtigen Ansprechpartner zu finden.
Beispiel 1: Software-Einführung in einem internationalen Konzern
Ein Sales-Team bietet eine komplexe SaaS-Lösung an. Der erste Kontakt ist ein Abteilungsleiter, der das Produkt spannend findet, aber nicht die Entscheidungskompetenz besitzt. Klassisch würden Verkäufer viel Energie in diesen Kontakt investieren. Erfolgreicher ist jedoch die Suche nach dem Challenger Customer – in diesem Fall eine Projektleiterin, die großen Einfluss im Buying Center hat.
- Sie kennt die größten Schmerzpunkte der Organisation.
- Sie kann intern Argumente platzieren und skeptische Kollegen überzeugen.
- Mit den richtigen Insights ausgestattet, wird sie zur internen Fürsprecherin, die die Kaufentscheidung beschleunigt.
Beispiel 2: Industrieunternehmen mit langem Entscheidungsprozess
Ein Anbieter von Maschinen für die Automobilindustrie möchte einen Großauftrag gewinnen. Viele Stakeholder – vom Einkauf über die Produktion bis hin zum Management – sind involviert. Der Einkäufer ist freundlich und offen, aber blockiert Entscheidungen nicht. Erst durch die Identifizierung eines technischen Experten als Challenger Customer gelingt es, den internen Widerstand zu überwinden.
- Dieser Experte stellt den Status quo infrage („Wir können nicht länger mit veralteten Maschinen arbeiten“).
- Er überzeugt das Management, dass ein Wechsel dringend notwendig ist.
- Ohne diesen „hidden influencer“ wäre das Projekt gescheitert.
Beispiel 3: Professional Services im Finanzsektor
Eine Beratungsfirma möchte eine Bank als Kunden gewinnen. Das Sales-Team stellt schnell fest: Die klassischen Ansprechpartner im Einkauf wollen nur Preise vergleichen. Stattdessen gelingt es, einen Challenger Customer im Bereich Risikomanagement zu identifizieren.
- Dieser Manager zeigt den Kolleg:innen auf, welche Risiken durch Untätigkeit entstehen.
- Mit den bereitgestellten Analysen und Inhalten aus dem Sales-Team kann er intern die Dringlichkeit kommunizieren.
- Er wird so zum entscheidenden Hebel für den Abschluss.
Diese Beispiele machen deutlich: Erfolg im Vertrieb entsteht nicht durch die freundlichsten Kontakte, sondern durch die einflussreichsten. Der Challenger Customer ist die Person, die den Unterschied macht – weil sie intern als glaubwürdige Stimme wahrgenommen wird und die Kaufentscheidung vorantreibt.
Verbindung von Challenger Customer und Buyer Enablement
Das Konzept des Challenger Customer entfaltet seine volle Wirkung erst dann, wenn es mit Buyer Enablement kombiniert wird. Während Buyer Enablement darauf abzielt, Käufer:innen im Entscheidungsprozess mit Tools, Inhalten und Orientierung zu unterstützen, fokussiert der Challenger Customer auf die Identifikation der richtigen internen Fürsprecher.
Warum diese Kombination so stark ist
- Buyer Enablement liefert Materialien wie ROI-Rechner, Business-Case-Templates oder Whitepaper.
- Der Challenger Customer sorgt dafür, dass genau diese Inhalte intern die größte Reichweite haben.
- Anstatt wahllos Informationen zu streuen, werden sie gezielt über die Personen platziert, die tatsächlich etwas bewegen können.
Challenger Customer als Multiplikator
Ein normaler Ansprechpartner kann Inhalte teilen, ohne dass sie Wirkung entfalten. Ein Challenger Customer hingegen ist derjenige, der:
- Glaubwürdigkeit innerhalb des Unternehmens besitzt,
- Kolleg:innen von neuen Ideen überzeugt und den Status quo hinterfragt,
- und durch sein Engagement den Verkaufsprozess beschleunigt.
Buyer Enablement + Challenger Customer im Zusammenspiel
- Ohne Buyer Enablement fehlt dem Challenger Customer das Material, um intern Überzeugungsarbeit zu leisten.
- Ohne Challenger Customer fehlt Buyer Enablement der interne Hebel, um Wirkung zu entfalten.
Erst im Zusammenspiel entsteht ein kraftvoller Ansatz, der gerade in komplexen B2B-Sales-Situationen entscheidend ist. Beides zahlt auf eine konsequente Customer Centricity ein, weil die Bedürfnisse der Käufer im Entscheidungsprozess klar ins Zentrum rücken. Verkäufer:innen identifizieren die richtigen Influencer und statten sie mit den passenden Inhalten und Argumenten aus. So können Unternehmen nicht nur Kontakte aufbauen, sondern auch echte Kaufentscheidungen vorantreiben.
Fazit & Ausblick
Der Challenger Customer markiert einen entscheidenden Perspektivwechsel im modernen B2B-Vertrieb. Statt sich auf die freundlichsten oder zugänglichsten Kontakte zu konzentrieren, richtet sich der Blick auf jene hidden Influencer, die intern am meisten bewegen können. Genau diese Personen – häufig Fachleute, Projektleiter:innen oder strategisch denkende Manager:innen – sind in der Lage, Diskussionen anzustoßen, den Status quo zu hinterfragen und Kaufprozesse entscheidend zu beschleunigen.
Das Buch „The Challenger Customer“ von Matthew Dixon, Brent Adamson, Pat Spenner und Nick Toman baut konsequent auf den Erkenntnissen von The Challenger Sale auf. Während der erste Ansatz zeigte, wie Verkäufer:innen Kunden herausfordern können, legt der zweite den Fokus auf die richtigen Ansprechpartner im Buying Center. Beide Modelle ergänzen sich und bieten zusammen einen klaren Leitfaden, um im komplexen B2B-Sales-Umfeld erfolgreich zu sein.
Schlüsselbotschaften:
- Nicht jeder Kontakt ist gleich wertvoll – entscheidend sind die Personen, die intern Einfluss haben.
- Buyer Enablement liefert das Material, der Challenger Customer sorgt für die Verbreitung.
- Sales-Teams müssen lernen, systematisch nach diesen Multiplikatoren zu suchen, anstatt ihre Energie in „freundliche, aber machtlose“ Kontakte zu investieren.
Ausblick: die Zukunft der Sales-Strategien
Mit zunehmender Komplexität von Kaufentscheidungen und größeren Buying Centern wird die Rolle des Challenger Customer noch wichtiger. Unternehmen, die es schaffen, diese einflussreichen Figuren zu identifizieren und mit den passenden Insights auszustatten, werden in der Lage sein, mehr Umsatz zu generieren und Kaufentscheidungen schneller zum Abschluss zu bringen.
Im nächsten Schritt können Sales-Organisationen diese Denkweise in ihre Vertriebsprozesse integrieren – unterstützt durch Daten, CRM-Systeme und Buyer Enablement-Strategien. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur Verkäufern hilft, sondern vor allem den Kundenunternehmen echten Mehrwert bringt.
Mehr zu den einzelnen Sales Ansätzen im B2B erfahren Sie hier
Im Hauptbeitrag wird der Challenger Customer als interner Multiplikator beschrieben – weitere relevante Artikel sind:
- Consultative Selling schafft Vertrauen als Basis für den Challenger Customer.
- Solution Selling liefert die Lösungen, die Influencer intern verbreiten.
- Insight Selling generiert die Argumente, die Challenger Customers nutzen.
- Challenger Sale bietet die methodische Grundlage, die hier erweitert wird.
- Strategic Selling sorgt durch Sichtbarkeit im Stakeholder-Mapping für eine besondere Wirkung des Challenger Customers
FAQ zum Challenger Customer
The Challenger Sale von Matthew Dixon und Brent Adamson zeigt, wie Verkäufer:innen Kunden mit neuen Perspektiven herausfordern. The Challenger Customer hingegen legt den Fokus auf die internen Influencer im Buying Center, die Kaufentscheidungen tatsächlich vorantreiben.
Weil B2B-Kaufentscheidungen meist von mehreren Stakeholdern getroffen werden. Der Challenger Customer ist die Person, die Glaubwürdigkeit besitzt, interne Diskussionen steuert und den Status quo hinterfragt – damit wird er zum Multiplikator für den Verkaufserfolg.
Achten Sie weniger auf die freundlichsten Ansprechpartner und mehr auf jene, die intern Debatten anstoßen, Widerstände aufzeigen oder aktiv neue Ideen pushen. Oft sind das Projektleiter:innen, Fachexpert:innen oder Manager:innen mit viel Einfluss.
Buyer Enablement stellt Inhalte, Tools und Argumente bereit, die Kaufprozesse strukturieren. Der Challenger Customer ist die Person, die diese Materialien intern verbreitet und für Wirkung sorgt – beides zusammen ergibt eine starke Kombination.
Vor allem für Unternehmen im B2B-Sales mit langen, komplexen Entscheidungsprozessen. In Branchen wie IT, Industrie, Professional Services oder SaaS kann der Ansatz entscheidend sein, um Kaufprozesse zu beschleunigen und Umsätze zu steigern.